Willkommen! / Bienvenue!

Herzlich willkommen auf unserem Blog!

Hier werden wir von nun an über unser Deutsch-Französisches Ökologisches Jahr (DFÖJ) berichten. Viel Spaß beim Lesen! 🙂

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Ein Tag in den Marais du Vigueirat

Mein Arbeitstag im Naturschutzgebiet Marais du Vigueirat im Süden Frankreichs fängt meistens um neun Uhr an. Jetzt im Winter (von Mitte November bis Mitte Februar) geht es für mich oft ins Büro, wo ich zum Beispiel dabei helfe Dokumente zu verfassen und zu ordnen oder Animationen zu bestimmten Themen plane. Gegen 13:00 Uhr mache ich normalerweise eine Stunde Mittagspause, bevor es gegen 14:00 Uhr wieder zurück ins Büro geht. Planmäßig geht der Arbeitstag bis 17:15 Uhr, aber oft gibt es nicht viel Arbeit und ich darf länger Pause machen oder bin früher fertig. Da ich direkt auf dem Gelände wohne ist es kein Problem, in der Mittagspause zu Hause zu kochen. Abends bleibt Zeit, Hobbies nachzugehen oder noch einmal ins Büro zurück zu gehen um das WLAN  zu nutzen und mit Freunden zu skypen. An manchen Tagen habe ich aber auch an einer Fortbildung teilgenommen, die größtenteils aus Tagesausflügen in die Umgebung bestand, wodurch die Arbeitszeiten natürlich abweichen.

Im Herbst wurde mir viel Zeit gegeben, mir selbstständig die Vogel- und Pflanzennamen der in der Camargue verbreiteten Arten beizubringen. Mehrmals pro Woche ging es für mich aber auch ins Gelände, um die „Jussie“ (ein in flachen, stehenden Gewässern wachsendes Kraut) oder den „Baccaris“ (ein großer Strauch) auszureißen. Beide wachsen schneller als andere Pflanzen, nehmen ihnen Licht und Nährstoffe weg und verringern die Artenvielfalt, wenn man nichts gegen sie unternimmt. Mit der Arbeit im Gelände fangen wir an heißen Tagen meistens eine Stunde früher an, sodass wir die Mittagspause verlängern können.

Auch im Frühling und Sommer werde ich zum Teil im Gelände arbeiten. Ansonsten steht an, auf dem 2,5 km langen Rundweg Führungen für kleine Gruppen zu geben und ihnen die Natur und Kultur der Camargue näher zu bringen.

Winter auf der Ferme de l’Adrech

Auch bei uns in den Cevennen ist der Winter angekommen. Der Mistral Wind pustet, es sind häufiger Wolken am Himmel und die Temperaturen steigen nur noch selten über 10°. Ob es keinen Schnee gibt? Die Adrech liegt auf ca. 500 üNN und damit in der Regel nicht hoch genug für Schnee. Meist schneit es nur einen, vielleicht zwei Tage im Januar oder Februar, dieses Jahr allerdings fielen tatsächlich Anfang Dezember einige Flocken und eine cevenolische Bauernregel besagt: schneit es einmal vor Weihnachten, wird es im Winter siebenmal schneien! Also warten wir das zweite Mal noch gespannt ab.

Wir heizen hier in den Cevennen mit Holzöfen und da wir kein Haupthaus haben, sondern mehrere kleine Räume beheizen, brauchen wir viel Feuerholz. Holz machen ist also eine wesentliche Aufgabe in den Wintermonaten. Ein Teil des in den warmen Monaten gesammelte Kleinholz wird jeden Tag in ofengerechte Stücke gebrochen und an den Wochenenden werden die getrockneten Baumstämme von Loïc mit der Kettensäge zerkleinert. Danach sind wir Freiwilligen dran mit Spalten, bevor wir alles in Teamarbeit in die Holzunterstände verfrachten. Und eines ist sicher: Holz wärmt zweimal – einmal beim Machen und zum zweiten Mal beim Verbrennen!

An der Tagesordnung sind in den Wintermonaten auch Arbeiten der Instandhaltung. Die Mauern der Terrassen und die Terrassen selbst müssen von Unkraut (und davon jede Menge) befreit und für die nächste Anbauperiode vorbereitet werden. Die Gewächshäuser werden geleert, aufgeräumt und – falls nötig- die Plastikbahnen gewechselt. Loïc sagt immer: l’hîver – c’est la saison du nettoyage!

Den Winter nutzen wir aber natürlich auch, um die Bauprojekte auf der Ferme voranzutreiben. Es wird also hier am Dach gearbeitet, da die Mauer weiter hochgezogen, dort der Boden ausgehoben und und und… Für die im Sommer zugelaufenen Hunde (Fepaci und Fepaca) haben wir zum Beispiel eine Hundehütte gebaut (aus einer alten Gefriertruhe) und gegen Mäuse neue Vorratsregale. Es gibt immer etwas zu tun.

Natürlich wollen wir auch im Winter etwas Gemüse verkaufen und essen. Dafür haben wir Wintergemüse gesät und Kohlrabi, Spinat, Mangold und rote Beete ernten wir z.Z. bereits.  Außerdem wird geplant, was im nächsten Sommer wo wachsen soll und wie viel davon, denn Setzlinge müssen nun bestellt werden und auch Saamen werden gekauft. Und dafür muss natürlich das Terrain vorbereitet werden, womit wir wieder bei der „nettoyage“ wären.

Wir halten uns hier jetzt noch schön warm und bereiten uns gut vor auf die ausgiebige und voraussichtlich anstrengende Pflanzphase im März. Falls ihr Fragen zur Ferme habt, gerne über das Kontaktformular. Bis dann! Bisous, Ella

Leben auf der La Mhotte

Heute erzählen wir euch ein bisschen, wie unser Leben auf der La Mhotte so ausschaut. Charlotte, Heike und ich arbeiten in sieben verschiedenen Strukturen.

Jeden Montagmittag entscheidet sich bei der réunion mit den Verantwortlichen der Arbeitsbereiche, wer wo und wann arbeitet, denn das variiert von Tag zu Tag.

Wenn die Waldorfschule keine Ferien hat, hilft jeden Morgen eine von uns der Köchin Sophie das Mittagessen für die Schüler in großen Töpfen zu kochen. Außerdem sind wir Freiwilligen dafür verantwortlich Salat und Nachtisch für die „repas commun“ vorzubereiten.

Mit Iris kümmern wir uns um die Instandhaltung des Geländes. Jetzt im Winter gibt es immer weniger zu tun, die letzten Blätter sind geharkt, nur die Schlaglöcher freuen sich darauf ab und an aufgefüllt zu werden. Im Frühjahr werden wir dann wieder viel jäten, mähen und Bäume/Hecken beschneiden.

Die Arbeit für die Pferde, das heißt vor allem Boxen misten und Stroh nachfüllen, nimmt in der kalten Jahreszeit allerdings zu.

Im Échoppe, dem Bioladen auf unserem Hof, arbeiten wir jeden Dienstagnachmittag alle zusammen, räumen die Bestellungen ein, registrieren neue Produkte und kassieren ab.

Mittwoch- und Samstagmorgens hilft auch noch eine von uns Simon, dem Verantwortlichen beim Abkassieren und Aufräumen.

Jeden Freitagabend ist Soirée im Échoppe, viele Menschen aus der Umgebung kommen auf ein Feierabendbier vorbei, oft kochen wir etwas, und später wird manchmal getanzt, die Bar ist geöffnet und man kann sich ans Lagerfeuer setzen.

Mit den beiden Gemüsegärtnern Benoît und Mickael arbeiten wir jeden Donnerstag zusammen. Momentan bedeutet das vor allem, dass wir das Gemüse für den Markt vorbereiten und ein bisschen ernten. Die große Kartoffel- und Rübenernte war schon im Oktober, gerade ernten wir noch einige grüne Salate, doch im Januar und Februar werden wir uns auf diverse Kohlsalate einstellen.

Léonore kümmert sich unter anderem um die Gratuiterie auf dem Hof, jeden Mittwoch sortieren wir dort die neu angekommenen Kleidungsstücke und finden auch ab und an etwas Schönes für uns. ☺

Wenn wir Gäste in unserer Gîte beherbergen, bügeln wir vorher mit Virginie und kümmern uns auch darum, dass alles schön aussieht.

Anfangs brauchten wir schon unsere Zeit, uns wirklich einen Überblick über all die verschiedenen Strukturen mit ihren unterschiedlichen Verantwortlichen zu verschaffen, mittlerweile hat sich aber vieles echt gut eingependelt und die Arbeitsatmosphäre ist fast immer sehr positiv und offen.

Außerhalb der Arbeitszeiten finden wir genügend Raum unsere Hobbies auszuleben. Ob Chor im Foyer Michael, Yoga im Salle de Sept Pilliers oder (gemeinsames) Klavierspiel, wir haben echt viele Möglichkeiten, das zu tun worauf wir Lust haben.

Bemerkenswert ist, dass hier auf der La Mhotte sehr auf unser Wohlergehen geachtet wird und eine große Offenheit gegenüber neuen Projekten und Ideen herrscht.

Grüße von den La Mhotte Mädls!

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Der Sellerie wird für den Markt vorbereitet
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Der Herbst ist angekommen
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Fenouil freundet sich langsam auch mit Charlotte und Heike an (oder andersherum ;-))
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Es wird warm im Saale commune

 

10 Dinge, die ich bisher gelernt habe

Heute von Eva:

1. Es ist hier normal, zum Einkaufen in riesige Supermärkte (vergleichbar mit Real) zu fahren – selbst wenn man nur ein, zwei Kleinigkeiten braucht. Da kann man zwar sicher sein, dass es diese dann auch gibt, aber ich bevorzuge trotzdem den übersichtlichen Lidl.
2. Im Dunkeln auf Straßen ohne Leitpfosten Auto zu fahren.
3. Die Öffnungszeiten sind überall unterschiedlich, es lohnt sich, vorher im Internet nachzugucken. Die Post im nächsten Dorf zum Beispiel hat dienstags bis freitags von 9:00 bis 12:00 offen; die Bank dienstags bis samstags von 8:00 bis 17:00, aber mit Mittagspause und samstags nur bis 12:00; die Schwimmbäder oft 1,5 Stunden mittags und dann nochmal 2-3 Stunden am späten Nachmittag, während Supermärkte im Allgemeinen jeden Tag von ca 8:00 bis 20:00 geöffnet sind.
4. Nicht alle Elektroautos sind dafür gemacht, damit längere Strecken oder etwas schneller zu fahren: wenn man mit einem für’s Gelände gemachten Auto auf der Landstraße unterwegs ist, um in einen abgelegenen Teil des Naturschutzgebietes zu fahren, und die Akku-Anzeige schon auf dem Hinweg unter die Hälfte fällt, sollte man lieber umkehren. Zum Glück ist der andere Freiwillige, mit dem ich unterwegs war, dann deutlich sparsamer gefahren und wir haben es noch zurück geschafft.
5. Wie man seine Einkäufe mäusesicher in der Küche unterbringt.
6. Wenn man einem Franzosen erzählt, dass man aus (Nord-) Deutschland kommt, wird man als erstes auf Bier oder „la fête de la bière“ (französischer Name für das Oktoberfest) angesprochen – und ein bisschen ungläubig angeguckt wenn man darauf antwortet, dass man kein Bier mag.
7. Es gibt mehrere Arten von Stierkämpfen: im Gegensatz zur spanischen „Corrida“ wird hier in der Camargue der Stier am Ende nicht getötet.
8. Auch auf Schotterpisten kann man mit 50 km/h fahren. Zumindest, wenn man weiß, dass niemand sonst unterwegs ist und es 5 km nur geradeaus geht.
9. Für manche Pflanzen hier hilft auch Google nicht weiter, um eine deutsche Übersetzung zu finden.
10. Wenn das Gas für den Herd alle ist und es einige Tage dauert, bis der Gastank wieder aufgefüllt werden kann, werden Wasserkocher und Mikrowelle zu deinen besten Freunden.

Ein freundliches Hallö von der La Mhotte

Wir sind sehr erfüllt von unserem Leben hier…
Was uns hier aufgefallen ist:

1. Gutes Essen, was wir selbst z.T. ernten
2. Viele kulturelle Events (z.B. Christopher Stilling im Salle de Sept Pilliers)
3. Man isst Hefeflocken auf den Salat und wir freuen uns an Weihnachten vorallem auf deutsches Brot 🙂

Liebste Grüße,
Heike, Charlotte und Johanna

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Johanna zeigt ihr neues Zuhause
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Die große Ernte: Kürbis, Kartoffeln, rote Beete, Rüben – alles geschafft!
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Heike erntet Weintrauben
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Die Gärtnerhütte
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Der Bioladen

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Charlotte im Salle de sept piliers
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Heike in der Gratuiterie

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10 Dinge, die ich bisher gelernt habe

Heute von Christina:

  1. Niemals ein Geschäft verlassen, ohne „Bonne journée“ zu wünschen! Das gehört sich hier einfach. Genau so wie das obligatorische „pardon“, wenn man jemandem auch nur halbwegs in den Weg kommt. Finde ich aber gar nicht nervig, sondern sehr nett.
  2. Umziehen per Tram ist anstrengend, aber machbar.
  3. Mit Karte zahlen ist echt praktisch. Ich habe mich schon an den französischen Lebensstil angepasst und benutze meine Kreditkarte – mit selbst ausgewähltem Strandmotiv – mittlerweile auch bei Beträgen, die ich in Deutschland immer bar bezahlt habe.
  4. Ich sehe scheinbar französisch genug aus, um andauernd nach dem Weg gefragt zu werden.
  5. Für eine Person einkaufen und kochen erfordert Planung. Man muss dann auch manchmal das essen, worauf man vielleicht gerade keine Lust hat, damit nichts schlecht wird.
  6. Sehr viele Namen! Sei es von Straßen, Tramstationen, Einrichtungen oder alten Bekannten des Heidelberghauses.
  7. Lidl lohnt sich wirklich! (Carrefour ist echt teuer…) Das führt dazu, dass man auch mal zwei Kilometer mehr geht, um seinen wöchentlichen Großeinkauf zu machen.
  8. Hochdeutsch. Liebe Grüße an dieser Stelle an meine Kolleginnen , die mich immer wieder auf meine bayerische Aussprache von gewissen Wörtern hinweisen (Hab euch trotzdem lieb!). Dank ihnen kann ich jetzt „Borchmeyer“ in hochdeutscher Variante aussprechen – zumindest halbwegs 😉
  9. Das klassische Baguette ist – meiner Meinung nach – das Schlechteste von allen. Ein Herz für „Tradition“!
  10. Alleine wohnen hat seine Vorteile. Ich bin zum Beispiel immer wieder froh, dass ich meine Süßigkeiten ungestört herumliegen lassen kann, ohne Angst vor Fressfeinden haben zu müssen 😉